Über Grausamkeit und Menschlichkeit

Neues Theaterprojekt des Limes-Gymnasiums wird derzeit in der Eugen-Hohly-Halle einstudiert

Welzheim. Die Eugen-Hohly-Halle verwandelt sich am Freitag und Samstag in eine „Schule der Grausamkeit“. So heißt das Musical, das Schüler des Limes-Gymnasiums altersgemischt seit September einstudieren – zumeist in Schulpausen und am Wochenende.

Ein Mord ist passiert. „Wir müssen entscheiden, ob ein Mädchen oder ein Junge in die Besserungsanstalt kommt“, sagen die elfjährigen Emma und Anne. Beide spielen Richterinnen. „Ich ziehe Mamas Bluse und Papas Krawatte an“, berichtet Emma. Sie mag Theaterspielen. „Ich lerne gern Texte auswendig und mag es, die Stimme zu verstellen.“ Je mehr sie mit der Rolle verwächst, desto komplizierter wird es. „Ich muss mich genau in die Rolle reinversetzen, um zu klingen wie ein strenger Richter, der aber auch Herz hat.“ Wichtig: Immer daran denken, wo auf der Bühne man steht, an welcher Stelle man sie verlassen muss und dass der Gesichtsausdruck stimmt. „Nicht bei Freude den Mund traurig verziehen“, sagt Anne. Ihre Rollen habe sie richtig gewählt. „Nur der Richterstuhl ist recht unbequem“, meint sie lachend. „Ich muss ziemlich fies sein als Staatsanwältin“, sagt die elfjährige Vivien. Über ihre Rolle sagt sie: „Ich spreche für den Staat und sage meine Meinung.“

45 Schüler der Klassen 6 bis 12 machen mit

45 Schüler von Klasse 6 bis 12 haben sich unter Leitung von Musiklehrerin Elisabeth Grupp und Kunstlehrer Peter Haury einen Stoff vorgeknüpft, der nicht gerade im „Pippi-Langstrumpf-die-Welt-ist-schön“-Bereich liegt, wie Leon erzählt. Der Zwölfjährige findet gut, dass das Stück ernst ist. „Man sieht, wie schlimm es früher mal war.“ Grundlage des Musicals ist der 1937 erschienene Roman „Jugend ohne Gott“ des Schriftstellers Ödön von Horvath. Die wesentlichen Szenen spielen in einem Ausbildungslager für Kindersoldaten und sind ziemlich beklemmend. Düstere Passagen hat auch die Musik: Elisabeth Grupp hat das Arrangement geschrieben und einstudiert, angelehnt an „The Wall“ von Pink Floyd. „We don’t need no education“ wird zu „Keine Zukunft, der totale Krieg“. Die Schüler seien offen: „Sie setzen sich mit der Thematik auseinander und können die bedrückende Atmosphäre gut rüberbringen.“ Die Schüler waren auch für ihr Bühnenbild zuständig. Oberstufenschüler haben mit Acrylfarbe Leinwände gestaltet. Mindestens zehnmal wechselt die Kulisse von freundlich zu trostlos: Ein dicht bewachsener Wald mit gesunden Nadelbäumen wird zur abgeholzten Ödnis, von einer Naturlandschaft mit Bergen geht es in einen finsteren Slum. „Wir haben alles selbst gebaut, das hat Spaß gemacht“, sagt die zwölfjährige Emily, die zu ihrer Rolle des Pfarrers bei der Technik mithilft.

Es gibt mehrere Orte und Schwerpunkte, auch auf eine Liebesgeschichte zwischen einem Kindersoldaten und einem Räubermärchen dürfen die Zuschauer gespannt sein. Wie im Originaltext von Ödön von Horvath wird ein Lehrer zur Schlüsselfigur inszeniert. Er gerät in schuldhafte Zusammenhänge. „Weil er kein Faschist ist, macht er sich verdächtig in dem gleichgeschalteten System“, sagt Regisseur Haury. Am Anfang wirken die Schüler teilnahmslos und linientreu. Doch zahlreiche Figuren sagen dem Lehrer, dass ihnen das Exerzieren und Strammstehen missfällt. „Es zeigt sich, dass der Gruppendruck mehr Einfluss auf das Verhalten hat als die Ideologie“, so Haury. Eine große schauspielerische und choreografische Leistung der Schüler, die charakterliche Korruption auf der Bühne darzustellen. „Alle haben sich viel Zeit genommen und intensiv mit den Rollen auseinandergesetzt“, ist der Eindruck von Peter Haury. Die meisten Schüler springen zwischen mehreren Rollen und singen dazu im Chor. Immer verbunden mit Umbau zwischen den Szenen und vielen Kostümwechseln. Große Rollen wurden aufgeteilt auf mehrere Schüler, dadurch wurde der Textumfang für jeden einzelnen schaffbar. Dem Zuschauer werden die Übergänge nachvollziehbar gezeigt mit einem „Cliffhanger“-Trick: „Der Darsteller macht eine bestimmte Pose, der nächste geht in diese Pose hinein und spricht den letzten Satz des Vorgängers noch mal“, sagt Peter Haury. Am meisten Spaß macht Emily der Kulissenbau. „Wir dürfen alles selbst machen, das ist toll“, sagt die Zwölfjährige. Ceylin (12) merkt, dass es ihr für den Alltag etwas bringt, einen neuen Charakter zu spielen und eine andere Perspektive einzunehmen: „Man kann sich leichter in andere reinversetzen und weiß besser, wie sie denken und sich verhalten.“

Ihren großen Auftritt haben die Schüler am Freitag, 1. Februar, und Samstag, 2. Februar, jeweils um 19 Uhr in der Eugen-Hohly-Halle. Karten sind im Vorverkauf in den Welzheimer Banken und der Limes-Buchhandlung erhältlich.