Am Dienstag, dem 25.11.2025, sprach in der voll besetzten Aula des Limes-Gymnasiums Welzheim ein ganz besonderer Gast zu den Schülerinnen und Schülern: Berthold Graf von Stauffenberg, der älteste Sohn des Hitler-Attentäters Claus Graf von Stauffenberg. Eine Stunde lang stellte er sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler des Leistungsfachs Geschichte unter der Leitung von Jannik Schröder sowie des Publikums und schilderte dabei eindrücklich prägende Ereignisse aus seiner Kindheit.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die allgegenwärtige NS-Propaganda. „Natürlich habe ich das geglaubt“, sagte Graf Stauffenberg rückblickend. Der „Volksempfänger“ und die lokalen Zeitungen hätten ununterbrochen Durchhalteparolen verbreitet, und selbst die Begrüßung der Lehrkräfte mit dem Hitlergruß sei alltäglich gewesen. Auch erzählte er von seinem Versuch, dem „Jungvolk“, der Vororganisation der Hitlerjugend, beizutreten – ein Vorhaben, das seine Mutter allerdings zu verhindern wusste.
Die Auswirkungen des Krieges prägten seine Kindheit stark: Lebensmittelknappheit in den Städten, Rationierungen, regelmäßige Fliegeralarme und später zerstörte Straßen und Brücken. Zwar verbrachte er viel Zeit auf dem Land, wo die Versorgung etwas besser war, doch auch dort blieb der Krieg allgegenwärtig und hinterließ tiefe Eindrücke.
Besonders groß war das Interesse am 20. Juli 1944. Zunächst habe er nur die offiziellen Meldungen aus Radio und Presse gekannt, berichtete der Graf. Erst am nächsten Tag erklärte seine Mutter ihm, dass sein Vater das Attentat verübt hatte. Die folgenden Ereignisse schilderte er als dramatisch: die Trennung der Kinder von ihrer schwangeren Mutter, die Unterbringung in einem Heim und schließlich die geplante Verlegung in das KZ Buchenwald – ein Transport, der nur durch einen Luftangriff verhindert wurde. Nach Kriegsende und seinem Schulabschluss entschied er sich für eine militärische Laufbahn, „nicht wegen, sondern eher trotz“ seines Vaters.
Am Ende des Gesprächs bewertete Graf Stauffenberg das Attentat als notwendig. Es habe gezeigt, dass es in Deutschland sehr wohl Widerstand gegen Hitler gegeben habe – ein Grund, weshalb er „immer stolz“ auf seinen Vater gewesen sei. Mit Blick auf die Gegenwart warnte er abschließend vor der Wirkung unregulierter sozialer Medien, über die sich Propaganda und Desinformation heute weithin verbreiten könnten. Dies sei, so seine Einschätzung, eine der größten Gefahren für die Demokratie.


